Was passiert, wenn Google nicht mehr nur Links liefert, sondern Antworten? Wenn AI-Systeme Produktempfehlungen aussprechen und Marken nennen – oder eben nicht? Und wenn Sichtbarkeit nicht mehr am Ranking hängt, sondern an der Erwähnung in generierten Texten?
Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns bei der Veranstaltung „AI meets SEO: AIO & GEO als Wachstumstreiber für Sichtbarkeit im B2B- und E-Commerce-Umfeld“ bei den KlickPiloten in Stuttgart. Nicole Huber, Ilona Gerlach und Stephan Sigloch gaben uns Einblicke in ihre Arbeit und teilten ihre Expertise.
Von Rankings zu Erwähnungen
Die klassische Logik der Suchmaschinenoptimierung haben viele bereits verinnerlicht: Keywords analysieren, Rankings verbessern, Klicks steigern. Doch mit der zunehmenden Integration generativer KI in Suchsysteme verschiebt sich der Fokus. Statt einer Liste von blauen Links erhalten Nutzende heute immer häufiger zusammengefasste Antworten, auch wenn sie nicht direkt mit LLMs chatten. Für diese Zusammenfassungen analysieren AI-Systeme Inhalte, gewichten Quellen und formulieren auf dieser Basis Empfehlungen. Für Unternehmen entsteht Sichtbarkeit also nicht nur über Positionen in den SERPs. Auch Click-Through-Rates sinken trotz stabiler Rankings, und Marken konkurrieren um Erwähnungen in generierten Texten. AI Visibility muss daher die neue Devise sein, um langfristig Sichtbarkeit zu gewährleisten.
Neue Customer Journeys entstehen
Kunden fangen immer häufiger in AI-Umgebungen mit der Informationssuche an. Antworten liefern LLMs direkt, sie sprechen Produktempfehlungen aus und vergleichen Alternativen – so kommt es oft vor, dass Kunden Informationen sammeln oder sogar Kaufentscheidungen treffen, ohne einen weiteren Klick auf die Website vom Anbieter zu machen. Diese sogenannten „Zero-Click-Journeys“ stellen klassische KPI-Systeme infrage. WennTraffic allein kein verlässlicher Indikator mehr für Markenpräsenz ist, müssen Unternehmen zusätzlich messen, ob ihre Marke in Antworten genannt wird, in welchem Kontext die Erwähnung erfolgt und wie häufig oder an welchen Stellen Wettbewerber erscheinen.
Während SEO lange Keyword-getrieben war, rücken nun Prompts in den Mittelpunkt. Diese sind komplexer als Suchbegriffe, denn sie enthalten Kontext, Intention und oft konkrete Fragestellungen. Wer in diesen Konversationsstrukturen nicht vorkommt, bleibt selbst bei guten Rankings unsichtbar. Daraus ergeben sich im Marketing neue Anforderungen und KPIs: Prompt-Analysen ergänzen Keyword-Recherchen, das Monitoring muss AI-Systeme zusätzlich zu klassischen Suchmaschinen umfassen, und KPIs wie „Sentiment“ oder „AI Visibility Score“ gewinnen an Bedeutung.
Was müssen Unternehmen jetzt tun?
Trotz aller Neuerungen ist deutlich: Die Grundlagen sauberer SEO-Arbeit bleiben essenziell. Strukturierte Daten, klare semantische Verknüpfungen, saubere interne Verlinkungen und maschinenlesbare Inhalte bilden die Basis dafür, dass AI-Systeme Inhalte korrekt interpretieren können. Content muss strukturiert und zitierfähig sein. Besonders hilfreich sind FAQs und How-to-Formate, Vergleichstabellen und Kaufberater, Expertenstatements oder Quellenangaben und vertrauenswürdige Referenzen.
Marketingverantwortliche stehen nun vor der Aufgabe, AI-Kompetenzen im Team aufzubauen und Budgets strategisch anzupassen. SEO bleibt, wird aber ausgebaut und ergänzt. Dafür, rieten die KlickPiloten, müssten Verantwortliche Pilotprojekte definieren, um früh Erfolge feiern zu können, Texte optimieren, Prompt-Monitoring in bestehende Dashboards integrieren und durch „Learning by testing“ Erfahrungen sammeln. Content-Marketing und PR können zum Beispiel für mehr Erwähnungen sorgen.
Die Ära der AI-Optimization beginnt
AI in der Suche und der Customer Journey mitzudenken ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein struktureller Wandel. Für Marketiers bedeutet das, bisherige Denkweisen zu hinterfragen und Strategien weiterzuentwickeln. Denn: Unternehmen, die frühzeitig und zielgerichtet in AI-optimierte Inhalte, Monitoring und Kompetenzaufbau investieren, sichern sich einen Vorsprung.
Sophie Tutzschke
Sympra GmbH, Stuttgart



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